13.08.2026
Der fortschreitende Ausbau dezentraler Erzeugungsanlagen in deutschen Verteilnetzen verändert die Anforderungen an den Netzbetrieb sowie die bestehenden Schutzkonzepte grundlegend. Bisher lag der Fokus der Schutztechnik primär auf der schnellen und selektiven Fehlerklärung innerhalb des eigenen Netzbereichs, doch durch die hohe Durchdringung mit Einspeisekapazitäten gewinnen Wechselwirkungen zu benachbarten Netzebenen massiv an Bedeutung. Der VDE FNN hat daher das Fraunhofer IEE mit einer umfassenden Untersuchung beauftragt, um die systemischen Risiken bei verlängerten Fehlerklärungszeiten durch das Reserveschutzsystem zu analysieren. Diese Studie beleuchtet insbesondere die Gefahr, dass durch kaskadierende Abschaltungen dezentraler Erzeuger die Stabilität des gesamten Systems gefährdet werden könnte.
- Das Versagen von Hauptschutzsystemen führt dazu, dass Reserveschutzsysteme Fehler erst nach mehreren Sekunden klären, was ausgedehnte Unterspannungszustände zur Folge hat.
- Diese Fehlerdauer überschreitet häufig die Ansprechschwellen der Unterspannungsschutzfunktionen des NA-Schutzes in dezentralen Anlagen, was zu großflächigen, kaskadierten Abschaltungen führt.
- Die Studie quantifiziert den Zusammenhang zwischen Fehlerort, Fehlerdauer und dem resultierenden Ausfall an Erzeugungsleistung im 110-kV-Netz.
- Ergebnisse belegen, dass eine bloße dynamische Netzstützung nicht ausreicht, um die systemischen Risiken langer Reserveschutzzeiten bei hoher Durchdringung dezentraler Erzeuger zu kompensieren.
- Ein neues, netzübergreifendes Ablaufschema soll Betreibern helfen, kritische Fehlerorte im Hochspannungsnetz zu identifizieren und die Fehlerklärungszeit dort gezielt zu begrenzen.
- Die enge Kooperation zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern ist dabei essenziell, um die Modellrechnungen in die praktische Schutzkonzeption zu überführen.
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