Fehlerklärungszeiten im Hochspannungsnetz: VDE FNN Studie zeigt potenzielle Auswirkungen... [#2484920]

Aktuelles von VDE FNN zur Unterstützung für Netzbetreiber, Anlagenbetreiber, Hersteller und andere Fachkreise, die am Stromnetz arbeiten.

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e-worker
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Fehlerklärungszeiten im Hochspannungsnetz: VDE FNN Studie zeigt potenzielle Auswirkungen... [#2484920]

Beitrag von e-worker »

Einfluss langer Fehlerklaerungszeiten auf die Systemstabilitaet im Hochspannungsnetz

13.08.2026

Der fortschreitende Ausbau dezentraler Erzeugungsanlagen in deutschen Verteilnetzen verändert die Anforderungen an den Netzbetrieb sowie die bestehenden Schutzkonzepte grundlegend. Bisher lag der Fokus der Schutztechnik primär auf der schnellen und selektiven Fehlerklärung innerhalb des eigenen Netzbereichs, doch durch die hohe Durchdringung mit Einspeisekapazitäten gewinnen Wechselwirkungen zu benachbarten Netzebenen massiv an Bedeutung. Der VDE FNN hat daher das Fraunhofer IEE mit einer umfassenden Untersuchung beauftragt, um die systemischen Risiken bei verlängerten Fehlerklärungszeiten durch das Reserveschutzsystem zu analysieren. Diese Studie beleuchtet insbesondere die Gefahr, dass durch kaskadierende Abschaltungen dezentraler Erzeuger die Stabilität des gesamten Systems gefährdet werden könnte.
  • Das Versagen von Hauptschutzsystemen führt dazu, dass Reserveschutzsysteme Fehler erst nach mehreren Sekunden klären, was ausgedehnte Unterspannungszustände zur Folge hat.
  • Diese Fehlerdauer überschreitet häufig die Ansprechschwellen der Unterspannungsschutzfunktionen des NA-Schutzes in dezentralen Anlagen, was zu großflächigen, kaskadierten Abschaltungen führt.
  • Die Studie quantifiziert den Zusammenhang zwischen Fehlerort, Fehlerdauer und dem resultierenden Ausfall an Erzeugungsleistung im 110-kV-Netz.
  • Ergebnisse belegen, dass eine bloße dynamische Netzstützung nicht ausreicht, um die systemischen Risiken langer Reserveschutzzeiten bei hoher Durchdringung dezentraler Erzeuger zu kompensieren.
  • Ein neues, netzübergreifendes Ablaufschema soll Betreibern helfen, kritische Fehlerorte im Hochspannungsnetz zu identifizieren und die Fehlerklärungszeit dort gezielt zu begrenzen.
  • Die enge Kooperation zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern ist dabei essenziell, um die Modellrechnungen in die praktische Schutzkonzeption zu überführen.
Die Erkenntnisse dieser Untersuchung unterstreichen, dass die Begrenzung von Fehlerklärungszeiten an systemkritischen Punkten zukünftig einen zentralen Bestandteil moderner Schutzkonzepte bilden muss. Aktuell werden die vorgeschlagenen Bewertungsmethoden und Rahmenbedingungen in der Praxis erprobt, um belastbare Handlungsempfehlungen für die Netzbetreiber zu definieren. Die gewonnenen Daten fließen direkt in die laufende Normungs- und Standardisierungsarbeit des VDE FNN ein, um die Sicherheit des Gesamtsystems auch in Zeiten einer zunehmend dezentralen Einspeisung langfristig zu gewährleisten.

Weiterlesen: https://www.vde.com/de/fnn/aktuelles/studie-fehlerklaerungszeiten-hochspannung
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oldman
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Re: Fehlerklärungszeiten im Hochspannungsnetz: VDE FNN Studie zeigt potenzielle Auswirkungen... [#2484920]

Beitrag von oldman »

Die Problematik mit den Reserveschutzzeiten und den kaskadierenden Abschaltungen durch die NA-Schutze bei Unterspannung ist ja genau das, was viele befürchtet haben. Schön zu sehen, dass der VDE FNN das so intensiv untersuchen lässt.
Die Erkenntnis, dass dynamische Netzstützung nicht reicht und man wirklich an systemkritischen Punkten die Fehlerklärungszeiten begrenzen muss, leuchtet absolut ein. Auch die geforderte engere Kooperation zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern ist längst überfällig, finde ich.
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